Eisleben: Luther und Elsterglanz

Oft werde ich in der Kneipe gefragt, woher ich komme. Selten wird es rhetorisch verpackt in der Art wie: „Du bist nicht aus Frankfurt?“ (Stimme geht am Satzende nach unten).
Dann erzähle ich kleine biographische Details, manchmal garniert mit eher blöden DDR-Witzen oder ich verfalle urplötzlich in einen schwerst sächsischen Dialekt.
Mittlerweile merke ich, dass nicht mehr alle die Witze verstehen und dass auf meinen permanenten biographisch bedingten DDR-Bezug die Antwort kommt, wie schön Leipzig ist und dass mein Gesprächsgegenüber dort studiert usw.
Die Vergangenheit, die längst von der Gegenwart eingenommen ist, von der ich aber nicht loskomme, die aber längst Geschichte ist, beherrscht mich immerhin so sehr, dass ich die Linkspartei nicht als gesellschaftliche Alternative, sondern als sich mit der DDR-Vergangenheit schwer tuende Nachfolgepartei der SED sehe.
Ein schön verschrobener Satz. Und genauso verschroben und fein ausgemalt in allen Facetten stellt die Band „Elsterglanz“ aus Eisleben (Mansfelder Land, liegt zwischen Harz und Halle) die Ossis meiner Generation vor. Dabei übertreiben sie schwindelerregend und lachen noch über sich selber. Ihre Auftritte, Filme und Lieder sind ein Spiegelbild der DDR und was davon noch übrig ist, und damit spiegeln sie auch ihr heutiges Publikum. Dass dieser „Scheiß-Staat mit seinen Kackleuten“ einen immer noch zum Heulen bringt, auch wenn es Lachtränen sind, macht ihn unvergesslich.
Die Leipziger Volkszeitung sah dies in ihrem Konzertbericht allerdings ganz anders.

„Elsterglanz“ haben einen neuen Film gemacht:
Elsterglanz und der Schlüssel zur Weibersauna

Hier mein Lieblingsausschnitt aus ihrem ersten Film beim Wahrsager Bernd.
Elsterglanz – im Banne der Rouladenkönigin

Auch wenn man als Ausstehender nicht alles versteht. Genau so war es auch in Leipzig vor 1989 und heute? Fahrt mal nach Leipzig oder ins Lutherland nach Mansfeld oder Eisleben.