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sportive Sachen -eigentlich Fußball-

Immer grüßt das Murmeltier

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Mail an das Bundeskartellamt vom 24.09.2018:

Sehr geehrte Mitarbeiter des Bundeskartellamtes!

Mein Name ist… . Ich maile Ihnen aus 60… Frankfurt. Hier bin ich Pächter einer Eckkneipe. Seit vielen Jahren besitze ich ein Abo von Sky, um Fußballspiele im Bezahl-TV öffentlich auszustrahlen.

Zum wiederholten Male (17.02.14, 20.02.14, 27.07.14) wende ich mich an Sie, um auf das Verhalten der Gastronomieabteilung von Sky hinzuweisen.

Ganz ohne Demut nennt die Firma selbst ihre Abteilung Sky Business. Möglicherweise ist dies ein Hinweis auf die Wertigkeit innerhalb des Sky-Konzerns. Möglicherweise ist dies die einzige Abteilung, welche schwarze Zahlen schreibt. Leider veröffentlicht Sky nicht alle Zahlen ihres wirtschaftlichen Erfolges oder Misserfolges. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Nach meiner Ansicht nutzt Sky Business sein Monopol der diversen Fußball-Übertragungsrechte (Bundesliga, Champions- und Euro-League) gegenüber den Verbrauchern in der Gastronomie aus.
Sky Business diktiert die Preise und darüberhinaus möglicherweise aus rein wirtschaftlichen Gründen die Art und Weise des Empfanges (Kabel oder Satellit).

Nachdem die aktuellen Fußball-Übertragungsrechte der Bundesliga, Champions- und Euro-League 2017 an verschiedene Käufer (Sky, Dazn, Eurosport, RTL, Öffentlich Rechtliche) veräußert wurden, hat sich Sky nach einigem Durcheinander diese Fußball-Übertragungsrechte als Monopol für den Gastro-Bereich ab der Hinrunde 2018 wieder gesichert. Die ursprünglich gewollte Aufsplitterung des Marktes ist zumindest im Gastro-Bereich der Fußball-Übertragungsrechte (Bundesliga, Champions- und Euro League) dahin. Sky kann schalten und walten. Die Gründe könnten sein, dass die „Braut hübsch gemacht werden sollte“. Denn die Medien-Konzern Comcast und 21st Century Fox führten einen Bieter-Wettstreit um 60,9% der Sky-Anteile durch, den ganz aktuell Comcast für sich entschieden hat. Die restlichen 39,1% gehör(t)en Robert Murdochs Medienimperium 21st Century Fox. Dieser Konzern wiederum, ursprünglich geplant mit Sky, wurde vom Disney-Konzern aufgekauft.

Sky dokumentiert uns als Verbrauchern ihr Produkt in bunten Hochglanz-Bildern auf ihrer Webseite.
Männer im besten Alter mit gepflegten Bärten und und ewig junge, sehr schlanke Frauen schauen gut gepflegt und glücklich auf große Bildschirme. Hinweise, dass ein Gastro-Abo in Neustrelitz günstiger als in Wuppertal oder gar in München ist, runden das Bild ab. Sky begründet die Preisstaffelung mit der Größe und dem Standort des Lokals. In strukturschwachen Regionen ist der Preis beispielsweise geringer. An der unterschiedlichen Arbeitslosenquote in Neustrelitz, Wuppertal und München kann sich Sky nur bedingt orientiert haben. Sie liegt aktuell bei 8,9% , 8,5% und 3,6%.

Als jahrzehntelanger Nutzer des Sky-Fußball-Programmes darf ich mich noch ganz am Rande im Wissen, dass es auf Ihre Behörde keinen Eindruck macht, über die journalistische Präsentation von Sky beschweren. Junge bzw. scheinbar junggebliebene Frauen oder schneidige Männer erklären mit altgedienten, leicht abgehalfterten Spielern oder Managern die Sky-Fußballwelt. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Stadien und Spiele mit ihren auf Zeit gekauften Werbenamen genannt werden. Neben den allgegenwärtigen Überlegungen, ob 3er oder 4er-Kette und ewigen Diskussionen um Schiedsrichter-Entscheidungen kommen Sportpolitik, Doping, Wirtschaftsgebahren der Vereine oder gar Rassismus im Stadion faktisch nicht vor. Ein schöne neue Welt voller wöchentlicher „Events“ wird dargestellt. Diese sind so sauber und gepflegt wie der Hautton der Moderatoren, den wir in HD sehr genau sehen können.

Des weiteren bitte ich Sie, wenigstens ein wenig die Besitzverhältnisse der handelnden Medienkonzerne (Sky, Dazn, Eurosport) zu berücksichtigen. Auch wenn mir natürlich klar ist, dass Ihre Behörde im 200. Geburtsjahr von Karl Marx keine Analyse des Kapitalismus vollziehen kann, sondern nach Ihrem Dafürhalten prüft und im Zweifel einschreitet.
Sky gehört(e) zu über einem Drittel einem australischen Medienmogul (Robert Murdoch), der sich ein Zeitungs- und TV-Imperium aufgebaut hat. Leider schrecken seine Medien nicht davor zurück, mit ungesetzlichen Mitteln an Nachrichten mit zweifelhaften Inhalten zu kommen.
Ganz aktuell hat es wohl der größte Kabelnetzbetreiber der Welt (Comcast) gekauft. Die Verschmelzung von Netz und Inhalt geht immer weiter.
Dazn gehört letztendlich einem Geschäftsmann (Perform Group als Teil der Access Industries), der in den 90er Jahren durch dem Kauf von staatlichen Betrieben (Ölförderung und Verarbeitung) in der GUS ein Vermögen verdiente.
Eurosport, wie auch mein hessischer Kabelnetzbetreiber Unity Media, gehören zum Discovery Konzern. Sie, sehr geehrtes Bundeskartelamt, prüfen ja gerade, ob die Vodafone Group Unity Media übernehmen darf. Es besteht die Gefahr der Monopolisierung. Wenige Konzerne bestimmen Inhalte der medialen Übertragung und ihnen gehören auch noch die Übertragungswege. Ein Alptraum aller Datenschützer.

Zusammengefasst lautet meine Bitte, dass Sie Folgendes prüfen:
Nutzt Sky Business sein Monopol von Inhalten und (hier in Absprache mit anderen Unternehmen) in der technischen Übertragung von Inhalten aus?
Gibt es indirekte Preisabsprachen von Sky, Dazn, und Eurosport, wie sie es beispielsweise in Deutschland bei den Endverbraucherpreisen bei Flaschenbieren gegeben hat?
Muss Sky Business seine Preispolitik transparenter gestalten?
Darf Sky Business dem Verbraucher vorschreiben, wie die Art und Weise des Empfanges ihrer Inhalte ist und unter Androhung von Rechtsmitteln andere Empfangsmöglichkeiten verbieten?

Mit freundlichen Grüßen…

Schnee von gestern“ oder „Wie geil kann ein Eintracht Sieg sein“

In der Bahn zum Waldstadion wird vor dem Heimsieg gefachsimpelt.
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Haller, unser Stürmer, könnte von Real Madrid gekauft werden, aber wir kaufen ihn zurück. Meinen Einwand, dass es um einen anderen Spieler geht, für den Real Madrid ein Vorverkaufsrecht hat, wird nicht verstanden. Ist schon in Ordnung, denke ich, nicht jeder liest den Kicker. Hauptsache, das Bier schmeckt meinem Gegenüber und seinem wohl kaum 16jährigen Sohn.

Zur Einstimmung auf das Spiel wird „Sieg!“, „Sieg!“ geschmettert. Da höre ich gleich neben mir die Ergänzung „Heil!“. Und gleich noch einmal, weil es wohl so schön ist. Ich drehe mich um und sage, dass ich dies nicht gut finde, weil das ein Nazispruch ist. Ich argumentiere in aller Schnelle, wie unser Eintracht-Präsident, dass, wer Eintracht-Fan sein will, solche Sprüche nicht ernsthaft sagen kann. Denn die Eintracht hat eine jüdische Geschichte, die während der Nazizeit abrupt unterbrochen bzw. abgebrochen wurde. Viele Spieler waren in den 30er Jahren Angestellte eines jüdischen Schuh-Fabrikanten. Dadurch hatten sie ein regelmäßiges Einkommen und konnten bei Eintracht Frankfurt auf hohem Niveau als Amateure Fußball spielen. Nach 1933 wurden die deutschen Juden drangsaliert, in die Immigration getrieben, enteignet und später in KZ ermordet. Auch besagter Fabrikant erlitt dieses Schicksal. Mein Gegenüber bejaht und meint, die Eintracht war der „Juden-Verein“ in dieser Zeit.

Ich bin etwas verdutzt. Und frage, wieso er dann „Sieg Heil!“ ruft, wenn er dies alles weiß. Wir sind mittlerweile am Ziel, steigen aus. Ein vierter Mann aus der „Sieg!“-Gruppe hält mich auf. Es war ein Witz, und es wurde nicht „Heil!“, sondern „Geil!“ gerufen. Ach so, meine ich, dann habe ich mich verhört. Ich muss kurz an das Die Partei-Plakat zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt denken, worauf steht „Hier könnte ein Nazi hängen!“.
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Schwärzester Humor, der weit unter die Gürtellinie geht. Ich kann aber meine Gedanken kaum weiter spinnen, denn mein Gegenüber variiert seine Ansage. Er sei kein Grüner, sondern: „Einiges, was der Adolf gemacht hat, finde ich nicht schlecht.“ Der kaum Sechzehnjährige vom ersten Gespräch sekundiert mit Akzent, schließlich seien wir alle Deutsche. Ich meine darauf, dass man ihm das nicht sofort ansehe. Mein neuer Diskutant schaut mich etwas zackiger an. Ich erwidere, dass wir nun wüssten, woran wir sein. Ich akzeptiere so manches, aber nicht alles, bin aber bereit, darüber zu reden.

Mehr konnte ich alleine gegen 5 Eintrachtler mit höchst unterschiedlichem Geschichtsbewusstsein im Schnee von gestern nicht rausholen. Wir rauchen eine Friedenspfeife. Man weist mich auf meine runtergefallene Mütze hin, und wir laufen in verschiedenen Richtungen auseinander.

In der vollen Bahn übrigens gab es zur oben berichteten Diskussion eine Stimme, die meinte, dass es jetzt hier keinen Stress geben müsse. Wir sollten doch alle locker bleiben. Der Rest von 30-40 Leuten schwieg.

Es gibt eine neue wissenschaftliche Untersuchung, warum Fake News/Unsinn/Falschmeldungen/Lügen wider besseren Wissens so eine breite Zustimmung in Gruppen von Menschen findet. Die soziale Gruppe ist vielen wichtiger als der Wahrheitsgehalt der Fake News. Wenn also die Gruppenmehrheit oder deren Leithammel eine Fake News für richtig befinden, dann urteilen einzelne oder unsichere Gruppenmitglieder genau so. Damit stärken sie die Gruppe und damit sich. Schweigen würde ich als Zustimmung beurteilen.

Die Eintracht hat das Spiel gewonnen. Torschütze war der in Neuss geborene Deutsche Danny da Costa. Er wurde vor ein paar Jahren in einem Spiel gegen 1860 München rassistisch beschimpft.

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21 Apfelweine

Am Samstag, den 25.07. findet die Königsetappe der Tour de France statt. Die 21 Kehren des Anstieges auf den Alpe d’Huez müssen die dünnen Kerlchen des diesjährigen Rennens hoch. Die Vowi lässt ausnahmsweise die Paulianhänger ein wenig links liegen. Diese können sich ab 15.30 ihre Mannschaft im Spiel gegen die Arminia nur per Bild, aber ohne Ton ansehen. Die Radsportfreunde der Kneipe schauen sich ab 14.30 auf der Leinwand und mit Ton, die im Schnitt 7,9 % Steigung dieser Bergetappe an. Die ARD überträgt wieder. Nicht mehr so langatmig und durchaus erträglich. Eurosport hat mit Karsten Migels einen jahrelang erprobten Reporter, der es sogar schafft die Zielankunft eines einzelnen Fahrers nach 100 km Sololauf spektakulär zu kommentieren. Leider wird Karsten Migels von einem ehemaligen Radsportler Jean-Claude (Nachname habe ich vergessen) begleitet, der dröge und recht unkritisch ergänzt. Doping kommt in Eurosport nicht vor – bei der ARD schon. Am besten man schaut die Tour in France 2. Dort kommentiert neben einem Reporter und dem ehemaligen Bergspezialisten Laurent Jalabert, der ausgewiesener Zeitungsjournalist Eric Fottorino. Dieser schafft es (laut FAZ vom 22.07.15) die Tour in einem großen Kontext darzustellen (Jahrestag des Beginns des 1. WK, beständige Dopingvorwürfe, sportliche Leistungen, örtliche Gegebenheiten usw.). Dadurch wird die stundenlange Berichterstattung nicht langweilig. Vergleichbar mit einer epischen Serie oder dicken Roman mit Mut zu besonderen Bezügen und einer linearen Entwicklung (Was?) – zusammengefasst mit Mut für die Zeit.
Preisfrage: Wie viel wiegt der aktuell Erstplatzierte mit Namen so wie ein englisch/französischer Käse (bitte mit Quellenbezug)?
Gewinn: 1x 0,5 Apfelwein
am Samstag, den 25.07. ab 14.30 in der Volkswirtschaft

2. Liga und Tour de France

Am nächsten Samstag, dem 25.07. ist 2. Bundesliga bei uns zu sehen. Die Vowi zeigt 15.30 Pauli-Bielefeld. Gleichzeitig übertragen wir auch die Königsetappe der Tour de France. Die Paulianer müssen sich diesmal mit dem kleinen Fernseher und ohne Ton zufriedengeben. Auf der Leinwand wird die Tour gezeigt.

Überhöhung des Banalen und der Banalisierung des Hehren

Dennis Scheck, Literaturkritiker beim Deutschlandfunk und der ARD, erklärte unlängst in einem Satz, bevor er das aktuelle Buch „Fußballgefühle“ von Axel Hacke vorstellte, den Hörern seine Meinung über diese Mannschaftssportart:
„… Fußball löst starke Gefühle aus. In mir zum Beispiel das Gefühl, dass dieses Ballspielen seinen Teil beiträgt zu idiotischen Heroisierung des Sports in unserer Gesellschaft,
zur Verblödung insbesondere der deutschen Männer und zur Verödung unsere Medien durch die groteske Überschätzung jenes nationalen Irrsinns namens Fußball,
der daraus resultierenden Überhöhung des Banalen und der Banalisierung des Hehren,
zum Verlust von Werten und zur Eintrübung des ästhetischen Geschmacks. Andere Menschen mögen anders denken …“

Zweite Antwort vom Bundeskartelamt auf Mail vom 27.07.14

Sehr geehrter Herr Maaß,
habe Sie vielen Dank für Ihre weitere Eingabe.
Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich zu Ihrem Einzelfall nicht weiter äußern kann.
Aus den bereits dargelegten Gründen wird die Beschlussabteilung nach der derzeitiger Erkenntnislage von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens absehen.

Mit freundlichen Grüßen
Peter Hoeltzenbein.