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Operette, Schlager und Volksmusik höre ich nicht

Genie

Heute wäre Frank Zappa 72 Jahre geworden, wenn er vielleicht zur Prostata-Vorsorge gegangen wäre oder die Ärzte eher seinen Prostata-Krebs entdeckt hätten. Sein Werk als Komponist, Gitarrist, Bandchef und Sänger ist riesig in seiner Qualität und Quantität. Auch nach seinem Tod wird es noch umfangreicher. Denn Zappa archivierte, wenn irgendwie möglich, alles. Die Zappa-Familie veröffentlicht seit seinem Tod 1993 viele Livemitschnitte und unveröffentlichtes Studiomaterial. Eine der aktuellsten CDs Road Tapes Venue #1 (Kerrisdale Arena, Vancouver B.C., 25 August 1968) ist ein Konzert mit Zappas Band „The Mothers of Invention“. Eine wirre Mischung aus Jazz, Gags, Geschichten, Interaktionen und Rhythm & Blues geben sehr gut seine Musik wieder. Anhand des kleinen Youtube-Videos aus dem gleichen Jahr kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen. Wer mehr wissen möchte über das Genie Frank Zappa, der frage am besten mich.

Kuschelig nach Marxismus-Leninismus

Es gibt dieses schaurig schöne kuschelige Gefühl, das Sich-Einpacken in wonnige Wehmut.
Lenkt man die Wehmut in Sehnsucht und gibt ihr einen machbaren Sinn und packt sie schließlich in poppige gefällige Formen, kommt ein kuscheliges, aber ideologisch korrektes Lied heraus.

Das Kleine und Poplige an der DDR wurde dann auf einmal ganz groß als die Umsetzung einer Idee. Zünde dir nicht die Zigarette an einer Kerze an, dann stirbt eine Seele, hörte ich oft auf den abendlichen Treffs und Feten vor etwa dreißig Jahren, als dieses Lied von Holger Biege, dessen Text von Fred Gertz ist,  im Radio lief.  Aber es galt, nicht zu vergessen, wo man lebt. Denn hier wurden die Vorgaben der großen Dichter und Denker umgesetzt. Das kleine Paradies war schon fast fertig, und wer selber Ideen hatte, musste sie nur den Gegebenheiten seiner kleinen Kammer anpassen.

Sagte mal ein großer Dichter,
daß ein Mann im Leben die drei Dinge schaffen sollte, daß es lohnt.
Er sollt einen Baum einpflanzen und ein Buch im Leben schreiben
und dann sollt er zeugen einen Sohn.
Ja, so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
aber wie nur, wie nur, wie nur macht man es wahr?

Denn ich kannte viele Bäume, die vor ihrer Zeit schon starben,
irgendetwas standen sie im Weg.
Darum scheint es mir viel klüger,
einen Baum mir auszusuchen,
den ich in der großen Stadt dann pfleg‘.
Ja so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
Aber so nur, so nur, so nur hat es noch Sinn!

Wieviel Bücher hat die Menschheit,
und wie kurz ist so ein Leben,
nur ein Bruchteil davon liest man dann.
Warum denn ein Buch noch schreiben,
viele ungelesen bleiben,
nicht zu reden davon, ob man’s kann.
Ja so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
Aber wo nur, wo nur, wo nur ist noch der Sinn?

Wieviel Kinder hat die Erde,
wieviel Eltern haben Sorgen,
nicht alltäglich ist das täglich Brot.
Kinder bleiben ungeboren,
Frauen haben sich geschworen,
selber zu entscheiden ohne Not.
Ja so einfach sprach er aus das Wort, und nun lebt es in den Menschen fort,
Aber wo nur, wo nur, wo nur ist noch der Sinn?

(Leider habe ich keine alten DDR-Rundfunkaufnahmen gefunden, sondern nur unten stehendes Video. „Sagte mal ein großer Dichter“ fängt bei 3.37 an)

Kuschelig nach irgendwem irgendwo irgendwann

Es gibt dieses schaurig schöne, kuschelige Gefühl, das Sich-Einpacken in wonnige Wehmut. Der macht auf „melancholisch“, haben wir früher gesagt und gelacht. Wir erinnerten uns dann an einen Freund, der vor vielen Jahren auf dem Zeltplatz an einem See, als er den Blick in den sternenklaren, mitternächtlichen Himmel hob, den Wunsch, ein Albatros zu sein, hauchte. Der Grund war weder Melancholie noch Wehmut, sondern lag nicht weit von ihm und hatte lange Haare. Die von allen Begehrte sollte beeindruckt werden. In unseren Kreisen, damals Anfang der 80er in Leipzig, galt das Gegenteil von männlicher Rülpsigkeit, gepaart mit viel Verständnis für den Anderen, als Trumpf. Man kuschelte auch nur gerne mit dem oder der Anderen, zumindest in der offiziellen Version.

Diese Kultivierung der Kuscheligeit gab es in der DDR in verschiedenen Dimensionen. Und bis heute wird sie als positiv beschrieben und damit wenigstens indirekt auch das politisches System der DDR. Ein Beispiel ist der Roman „Ab jetzt ist Ruh“ von Marion Brasch. Sie kommt aus einer berühmten DDR-Familie. Ihre Brüder waren Schauspieler und Poeten, ihr Vater war in der DDR in Amt und Würde, u.a. als Minister. Marion Brasch arbeitete als recht bekannte Radiosprecherin beim Jugendfunk des DDR-Radios. Heute ist sie beim RBB tätig.

Ich kann mich bei ihrem Buch, und sie setzt es fort in ihrem Blog, nicht erwehren, diese DDR-Kuscheligkeit und ihre eigene Geschichte zu verknüpfen, und heraus kommt, dass es doch eigentlich gar nicht so „unkuschelig“ war.

Dann ist man nicht hin und her gerissen, von dem was passiert ist. Vielmehr schwelgt man in den alten Zeiten. Man erinnert sich an früher: alles war überschaubarer, klarer, kleiner und deshalb auch schmerzvoller bei Verlust. Gleichzeitig beinhaltet diese Enge immer eine Hilfe, Aufmerksamkeit, Anteilnahme deines Gegenübers. Die Willkür und zum Schluss das ohnmächtige Treten der „Organe“ nach allem, was sich nicht in ihren Augen loyal verhielt, machte aus dem Beobachten eines Mauerseglers einen staatsfeindlichen Akt. Das bloße Erwähnen von solchen Wörtern, die in diesem engen Land einen ganz anderen Bedeutungszusammenhang erhielten, brachte die eigenwilligsten Konstrukte hervor. Ein Beispiel stammt aus dem Jahr 1987 von der Band „Karussell“. Der Text des Liedes „Als ich fortging“ ist von Gisela Steineckert.

Als ich fortging war die Straße steil,
kehr wieder um.
Nimm an ihrem Kummer teil,
mach sie heil.

    Banales wird zum gemeinsamen Freiheitsaufruf.

Als ich fortging war der Asphalt heiß,
kehr wieder um.
Red ihr aus um jeden Preis,
was sie weiß.
Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein.
Ich weiß du willst unendlich sein,
schwach und klein.

    Sentimentales wird inhaltlich gedreht.

Feuer brennt nieder, wenn keiner es nährt.
Kenn ja selber, was dir heut widerfährt.

    Und es bleibt nur noch Kitsch übrig.

Karussell – Als ich fortging 1987 – MyVideo

Stutenmilch aus kleinen Eutern

Im Blog von Spiegel-Online gibt es eine Rubrik über die wichtigsten Metal-Alben des Monates. Dies ist zu würdigen, weil Metal immer noch eine Nischenmusik ist und daher mehr Publizität braucht. Gleichzeitig gilt es zu warnen, weil das Besondere, Einmalige, Fremde, Verwirrende, Laute und Brutale des Metals nicht mehr unbeachtet am Rande (wie eine Abtei in den hohen Bergen) existiert. Er droht vielmehr, in der Mitte anzukommen und wird dementsprechend verwertet.

Das Problem der Rubrik ist die Sprache. Als Stilmittel dienen Insiderinformationen, ironisch auf die Spitze getrieben, oder eine Aneinanderreihung von Plattitüden. Der kurzfristige Effekt des Lesers ist Unverständnis oder als Insider die Bestätigung seines Insiderwissens. Der Effekt beim Lesen der Plattitüden erreicht immer eine Art Zustimmung, sonst wären es keine oberflächigen Allgemeinplätze.

Parodie von Beispiel 1, Insiderwissen und Anspielungen Mares of Thrace
Wem die Black Keys zu behaart sind und Glenn Danzig zu fett geworden ist, wer drauf steht, sich mit dem Baseballschläger ordentlich versohlen zu lassen, das dann aber noch postfeministisch mit fetten Growls begründet bekommt, der ist bei den fleischverschmähenden Stuten aus Thrakien, die eigentlich aus Calgary (waren da nicht mal Olympische Spiele) kommen, richtig.

Parodie von Beispiel 2, Plattitüden und Anspielungen Dreaming Dead
Der feuchte Traum eines jeden Metalheads muss diese Braut sein. Sie hat all das, was er an sich und am anderen Geschlecht schätzt: Lange Haare, schwarze Klamotten und Tattoos, Dazu spielt sie nicht schlechter als Kirk Hammett und grunzt, dass selbst ein Wildschwein weinen würde. Ein kleines Manko ist ihre Oberweite, aber erinnern wir uns an den Spruch von Frank Zappa und der muss es ja gewusst haben: „Alles was nicht in den Mund reingeht, ist Verschwendung.“

Stuten aus Thrakien

Mares of Thrace eine kanadische Band aus Calgary. Nur Gitarre und Schlagzeug reicht auch, wobei die Gitarre unkonventionell, weil eine Baritongitarre ist, die tiefer gestimmt, als normal. Fett, kraftvoll, langsam, der Gesang pendelt zwischen Geschrei und Unschuldsmelodien, weil weniger mehr ist, wirken die Lieder fesselnder und direkter.
General Sherman heißt das Lied. Ein offizielles Video gibt es auch, was aber nicht ganz jugendfrei ist.
Entdeckt habe ich die Band über diesen Artikel, wo es um Slut Rock geht.

Dreaming Dead

Neben Gojira und Kreator habe ich noch einen dritten Favoriten im Metal: Dreaming Dead aus LA. Alle drei haben neue CDs herausgebracht, wobei von Dreaming Dead nur die mp3-Version erhältlich ist von ihrer Webseite. Dreaming Dead besteht im Kern aus einem Schlagzeuger und einer Gitarristin. Auf der Bühne kommt noch eine Gitarristin und ein Basser dazu.

Unersätzlich

Heute wäre Frank Zappa 71 Jahre geworden.
Er ist die „…Intelligenzbestie, das Universalgenie, der Zehnkämpfer unter den Rock-Matadoren. In allen Disziplinen ist er zu Hause, in allen Sparten beweist er seine Meisterschaft mit kreativen Höchstleistungen. Ganz oben auf dem Siegertreppchen thront er auf dem Rock-Olymp.“ (Volker Rebell, Frank Zappa. Freak-Genius mit Frack-Habitus, in Rocksession 1, Reineck bei Hamburg 1977, S. 233)

Fotoalbum: 1998/99: Live-Musik

Live-Musik gab es in der Vowi in den ersten Jahren seit der Gründung 1997 öfters, denn ursprünglich wollten wir eine Musikkneipe aufmachen. In meiner Erinnerung war es damals viel lauter, als heute. Wie hatten vorne im Gastraum später hinten ein Klavier stehen, wo einmal die Woche gespielt wurde. Manchmal machten andere mit. Manchmal gab es Ärger, weil es nicht allen gefiel und es wie gesagt, recht laut war. Von wem die Fotos sind, weiß ich nicht mehr genau:
entweder Ninas (unsere ehemalige Kollegin) Papa Volker Luley oder Ninas Exfreund Sven Bratulic.

Neben den Auftritten von „3/4Weich“, sowie Ralles und Daniels Combo „“ waren diese anfänglichen Sessions die einzigen musikalischen Darbietungen. Gesungen wird natürlich immer mal wieder bei entsprechenden Pegel. Auch wird ganz gerne bei größeren Feiern akustische Gitarre gespielt. Live geht leider wegen der Lautstärke für die Nachbarschaft nichts mehr.

um 1998/99 Live-Muik in der Vowi

 

Wer sang dies?

Und durch die Halle geht ein Mann
seriös und akkurat
er ist das Superschwein
vom Kinderkillersyndikat
und im Koffer zwei Kilo Winterlandschaft
für die tödlichen Weihnachtsfeiern
seine Weste so weiß wie Schnee
und er fährt mit dem lntercity
bis Brown-Sugar-Town
1. Klasse TEE

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Was zum Mitsingen

Was macht einen guten Liedchen aus?
Vielleicht eine gute Melodiefolge, Eingängigkeit, Wiedererkennungswert, einprägsame Worte und noch die ganz besondere Würze nicht zu vergessen.
Ich habe zwei Vorschläge. Zufälligerweise sind es eher ein wenig härte Sachen. Bei beiden Liedern gefällt mir die Stelle am meisten, wenn die Sänger schreiend mit überschlagener Stimme einen Vers wiederholen.

Down

In Flames